Quellmalz

Im Spannungsfeld zweier totalitärer Regime reist der Musikwissenschaftler Dr. Alfred Quellmalz 1940 nach Südtirol. Er soll dort im Rahmen der „Südtirol Expedition“ des SS Ahnenerbe die urtümlichen Lieder der „Volksdeutschen“ mit einem Magnetophon aufnehmen. Das Vorhaben stellt sich als aufwändiges Unterfangen heraus, das angesichts der gebirgigen Landschaft und der schnellen politischen Veränderungen auch zum Wettlauf gegen die Zeit wird. Viele Südtiroler, die auf Tonband aufgenommen werden, stehen nämlich kurz davor, ihre alte Heimat aufzugeben, um in das nationalsozialistische Deutsche Reich umzusiedeln.

 

Trailer

 

Hubert von Goisern Kulturpreis

Der Regisseur des Films, Mike Ramsauer, wurde 2018 für seinen Film QUELLMALZ mit dem Hubert-von-Goisern-Kulturpreis ausgezeichnet.

weitere Infos dazu gibt es hier:
https://www.hubertvongoisern.com/kulturpreis/index.html

 

One-Pager zum Dokumentarfilm-Projekt „Quellmalz“ © Mike Ramsauer 2014

 

 

Alfred Quellmalz

Der 1899 in Oberdigisheim in Deutschland geborene Alfred Quellmalz ist Sohn eines Arztes und wächst in Isny im Allgäu auf. Sein Vater ist dort Stadtarzt. Alfred Quellmalz besucht später das humanistische Gymnasium in Dresden, wo er mit klassischer Musik in Kontakt kommt und mit dem Violinspielen beginnt. Während des ersten Weltkrieges meldet er sich freiwillig zum Württembergischen Gebirgsbataillon und kämpft an der Dolomitenfront in Südtirol. Auch sein Vater nimmt als stellvertretender Korpsarzt am Krieg teil. Nach Ende des Weltkrieges beteiligt er sich 1919 nochmals freiwillig an Kampfhandlungen, nämlich gegen die Kommunisten in Südbayern. Als Folge seiner Kriegsteilnahmen leidet Quellmalz an gesundheitlichen Problemen und wird später als kriegsgeschädigt eingestuft. Ab 1921 studiert Alfred Quellmalz an verschiedenen Universitäten unter anderem Musik, Musikwissenschaft und Philosophie. Im Alter von 26 Jahren lernt er die Kunsttänzerin Leonie Blum kennen. Die beiden heiraten im Jahr 1927 und gründen gemeinsam eine Schule für Musik und Tanz.

Alfred Quellmalz (Foto © Autonome Provinz Bozen – Südtirol, Bereich Deutsche und ladinische Musikschulen, Referat Volksmusik)

Als Musikwissenschaftler beginnt er 1928 seine Tätigkeit am Deutschen Volksliedarchiv mit der Aufgabe der wissenschaftlichen Melodieaufzeichnung von über 100.000 Liedbelegen. 1932 erhält er den Doktortitel für seine Dissertation über die Weise vom Elslein. 1937 wechselt Alfred Quellmalz an das Staatliche Institut für Deutsche Musikforschung in die Abteilung für Volksmusik. Im gleichen Jahr tritt er auch der NSDAP bei. Im Zuge seiner Arbeit dort erhält er die Möglichkeit, in Südtirol für das SS Ahnenerbe Feldforschungen zu betreiben. Von 1940 bis 1942 hält sich Alfred Quellmalz deshalb hauptsächlich in Südtirol auf. Nach Kriegsende wird Quellmalz auf Grund seiner Parteizugehörigkeit zur NSDAP als politisch minderbelasteter Mitläufer eingestuft, bleibt aber weitgehend straffrei. Nach dem Krieg arbeitet er für den österreichischen Rundfunk sowie für den Südwestfunk in Tübingen. Erst später, in den 1960er Jahren, kann er seine Forschungsarbeiten in Südtirol wieder aufnehmen und gibt mit dem dreiteiligen Band der Südtiroler Volkslieder eine Zusammenfassung seiner Südtiroler Feldforschungen heraus. 1979 stirbt der pensionierte Alfred Quellmalz im Alter von 80 Jahren in Hauset in Belgien.

Klara Bacher, eine Zeitzeugin der Option und der Tonbandaufnahmen von Alfred Quellmalz (Foto © Mike Ramsauer und Autonome Provinz Bozen – Südtirol, Bereich Deutsche und ladinische Musikschulen, Referat Volksmusik)

Zur Entstehung des Filmprojekts

Text von Manuela Cristofoletti, Koordinatorin am Referat Volksmusik im Bereich Deutsche und ladinische Musikschulen.

Der Dokumentarfilm „Quellmalz“ ist das Resultat eines Projektes, das aus Anlass 75 Jahre Option im Jahre 2014 gestartet ist. Auftraggeber des Projektes ist das Referat Volksmusik im Bereich Deutsche und ladinische Musikschulen. Dort wird der private Briefverkehr des Musikwissenschaftlers Alfred Quellmalz sowie sein gesamter Nachlass, der sich auf die Südtiroler Tonaufnahmen aus den Jahren 1940-42 bezieht, aufbewahrt.

Ziel war es, ausgehend von diesem Quellenmaterial, die sog. Sammlung Quellmalz bekannter zu machen. Im Film werden Quellmalz’ Feldforschungen in Südtirol dargestellt und die Einzigartigkeit der daraus entstandenen Tonaufnahmen gezeigt. Dabei rückt die Person Alfred Quellmalz in den Focus der Betrachtungen: Zitate aus seinen Briefen sind die Basis für den Sprecher des Films. Die Originaltonaufnahmen wurden zum Erzähler eines außergewöhnlichen Moments der Geschichte Südtirols und auch zum unverkennbaren Soundtrack des Films.

In seiner Ausformung ist der Film ein Dokumentarfilm, der nicht unkommentiert für die Öffentlichkeit gedacht ist. Er soll auf entsprechenden Filmfestivals gezeigt werden und vor allem in Schulen, als Ausgangspunkt für eine Auseinandersetzung mit der Optionszeit. Seine Premiere feiert der Dokumentarfilm „Quellmalz“ von Mike Ramsauer am Freitag, 7. April 2017 um 20 Uhr im Rahmen des Bolzano Film Festival Bozen.

Plakat zum Film

 

Pressevorführung

In Vorbereitung auf die Premiere des Dokumentarfilms gab es am 4. April 2017 im Filmclub Bozen eine Pressevorführung. Ein TV-Bericht darüber wurde unter anderem von Rai Südtirol verfasst.

 

 

Von Kratzern und Löchern

Fotos aus der Zeit vor und während des 2. Weltkrieges weisen auf Grund ihres mittlerweile hohen Alters oftmals Lagerungsschäden, Schimmel und Kratzer auf. Zwar eignen sich die 35mm-Filmstreifen selbst sehr gut für die Langzeitaufbewahrung, unsachgemäße Lagerung setzen dem Material aber trotzdem stark zu.

Viele Originalfotos, die im Film „Quellmalz“ Verwendung fanden, wiesen erhebliche Schäden auf. In der großformatigen Projektion dieser Bilder auf einer Kinoleinwand werden diese „Bildmängel“ sehr schnell zum dominierenden Element und lenken vom eigentlichen Inhalt des Bildes ab. Aus diesem Grunde war eine Bearbeitung der digitalen Abzüge der Bilder unbedingt notwendig, um die Aufmerksamkeit in erster Linie auf die abgebildeten Menschen zu lenken und nicht auf die Kratzer im Bild.

Vorher/Nachher-Vergleich einer digitalen Restaurierung eines im Dokumentarfilm „Quellmalz“ verwendeten Bildes (Foto © Autonome Provinz Bozen – Südtirol, Bereich Deutsche und ladinische Musikschulen, Referat Volksmusik)

Technische Informationen zum Film

  • Format: 2K 2.39
  • Sprache: Deutsch, Südtiroler Dialekt, Ladinisch
  • Sprachversion: Deutsch mit Deutschen Untertiteln
  • Datum der Erstaufführung: 7. April 2017 (Bolzano Film Festival Bozen 2017)
  • Produktion: Artis Soc. Coop., 39100 Bolzano (Susanna Pezzoni)
  • Koproduktion und Herstellungsleitung: 21 MB Film (Mike Ramsauer)
  • Auftraggeber: Autonome Provinz Bozen – Südtirol, Bereich Deutsche und ladinische Musikschulen, Referat Volksmusik, IT-39100 Bozen
  • ZeitzeugInnen: Klara Bacher, Rita Kastl, Maria Clara, Sepp Premstaller, Maria Sigmund, Johann Solderer, Brigitta Thaler, Emma Thaler, Frieda Unterkircher, Rosa Unterkircher.
  • Stimme von Alfred Quellmalz: Olaf Baden
  • Ton: Martin Rohrmoser, Livia Romano, Philip Unterholzner
  • Kamera und Montage: Mike Ramsauer
  • Schnittberatung: Nela Märki

 

Weiterführende Informationen


Quellmalz. Dokumentarfilm.
Italien, 2017, 68 Minuten. 2K, 2,39:1.